Daten sammeln - von der Grabung ins Archiv

Willkommen bei archaeoDox, einem Open Source Projekt, das 2010 als relativ kleines IT-Projekt des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein gestartet ist. Zwischenzeitlich erwuchs hieraus die Standard Grabungssoftware für zwei Bundesländer im Norden Deutschlands. Diese Software steht nun als freie Community Edition zum Download zur Verfügung.



Wir nutzen neue Technologien, um die hohe Komplexität in der Archäologie abzubilden. Das Problem hierbei ist das hohe Maß an Diversität der archäologischen Überreste von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit abzubilden. Die Bandbreite an Fundplätzen, wie beispielsweise altsteinzeitlichen Jagdplätzen, Grabhügeln, vor- und frühgeschichtlichen oder mittelalterlichen Siedlungen, Kirchen usw., einschließlich ihrer Umgebung kann überwältigend sein.

Diese Vielfalt in einer Software abzubilden und flexibel in der Dateneingabe zu bleiben ist eine Herausforderung an sich. Es ist jedoch entscheidend die unterschiedlichen Situationen und die Tiefe und Schärfe der einzugebenden Daten in das Konzept mit aufzunehmen. Von einfachen Baubeobachtungen unter hohem Zeitdruck, über Voruntersuchungen, bis zu komplexen Forschungsgrabungen in ländlichen und städtischen Umgebungen müssen alle Szenarien im User Interface abgebildet werden.

Der Markt für spezialisierte Grabungssoftware ist recht überschaubar. Dennoch hat Datenbanksoftware wie zum Beispiel MS Access fast jeden in die Lage versetzte Datenbanken für einzelne oder mehrere Grabungsprojekte oder zielgerichtete wissenschaftliche Fragestellungen aufzusetzen. Unter Nutzung dieser Datenbanken geben Bearbeiter Daten nach bestem Wissen und Gewissen ein. Ein grundlegendes Problem bleibt jedoch bestehen: sie werden keine homogenen Datenstrukturen erzeugen, zumindest nicht bei der Erfassung mehrerer Projekte.



Wir wissen alle, dass bei einer Ausgrabung ein Bodenarchiv zerstört wird und dementsprechend in ein Dokumentations- und Fundarchiv überführt werden muss. Nur wenn man sich an Konventionen hält, ist es überhaupt möglich ein Archiv unseres kulturellen Erbes zu erhalten. Einmal zerstört ist für immer zerstört - nicht nur mit Schaufeln, sondern auch versehentlich durch Datenlöschung, unbedarften Backup-Strategien, verlegen von Dateien und ähnlichem.

Egal ob wir Messdaten, Beschreibungen, Fotos, Zeichnungen, GIS, CAD oder 3D-Daten betrachten, all dies ist Archivmaterial, welches durch die öffentliche Hand bezahlt wurde. Es ist die einzige verbleibende Informationsquelle, die der Nachwelt erhalten bleibt. Die einzige Quelle, aus der archäologische Information gewonnen und neu bewertet werden kann.

Obwohl dies für viele beteiligten Personen offensichtlich ist, liegt der Fokus der meisten selbst gestrickten Lösungen und auch der kommerziell verfügbaren Datenbanken in den häufigsten Fällen auf der Eingabe und Analyse technischer und wissenschaftlicher Daten. Doch dies ist nur ein Teil der Dokumentation. Viel zu oft ist das Ablagesystem nicht genau definiert und obliegt allein den Sachbearbeitern, die nach bestem Wissen und Gewissen Daten dort ablegen, wo immer sie es für richtig halten. Man kann sich vorstellen, wie dies in analoger Form aussähe. Wenn Datenbank-Software genutzt wird, könnte sicherlich ein einzelnes Projekt verwaltet werden, gegebenenfalls sogar noch die Verlinkung der Dateien im lokalen Dateisystem gespeichert werden, eine projektübergreifende Übersicht zu erhalten dürfte sich jedoch schnell als schwierig erweisen.

Durch das Fehlen eines zentralen Datenpools mit homogenen Datenstrukturen wird es immer schwieriger eine komplette Übersicht über die stetig wachsende Menge an Ausgrabungsprojekten und deren Dokumentationsdaten zu erhalten. Dies auch unabhängig davon ob es nun in der eigenen Institution, dem eigenen Beritt oder darüber hinaus stattfindet. Die Probleme sind im Kleinen wie auch im Großen gleich. Eine zentraler Datenpool würde auch die Qualität von Suchergebnissen drastisch steigern und die Zeit reduzieren, die mit Recherche verbracht werden muss.

Vor der selben Ausgangssituation stehend haben wir uns für einen anderen Ansatz entschieden.



Hauptaugenmerk liegt auf der homogenen Datenstruktur. Wir nutzen eine Kombination aus relationaler Datenbank und Dokument-Management-System. Technische und wissenschaftliche Daten werden erfasst und die verknüpften Dateien werden in ein strukturiertes Dateiablagesystem überführt, welches automatisch mit dem Verlauf der Grabung aufgebaut wird. Weiterhin ist archaeoDox ein Client-Server-System. Alle Daten, die auf dem Client erfasst werden, können in einen zentralen Datenpool und ein globales Dateiablagesystem überführt werden. Wenn im Netzwerkmodus gearbeitet wird, können mehrere Sachbearbeiter gleichzeitig an der selben Aktivität arbeiten. Die komplette Architektur ist somit skalierbar. Dies bedeutet, dass Außenstellen autonom Daten erfassen und zu einem späteren Zeitpunkt in der zentralen Dienststelle abgeben können, ermöglicht aber zum Beispiel auch die Zusammenarbeit auf länderübergreifenden Trassenprojekten und selbstverständlich auch wissenschaftlichen Auswertungen. Über Schnittstellen kann ein Austausch mit anderen Systemen stattfinden. Das komplette System basiert auf hochleistungsfähiger Open Source Software und steht als freie Community Edition unter GPL V3 Lizenz zur Verfügung.